Bildungssystem in Australien + Neuseeland

Allgemeine Information

Spätestens seit den internationalen PISA- und TIMMS- Studien weiß man auch im bildungsgeplagten Deutschland, dass es in Australien und Neuseeland nicht nur viel Sonne, herrliche Strände und eine unbeschreibliche Pflanzen- und Tierwelt gibt. Australische und neuseeländische Schulen haben sich mit ihren Programmen, die auf akademische Inhalte ebenso viel Wert legen wie auf die persönliche und charakterliche Entwicklung ihrer Schüler und Schülerinnen hervorragend in den internationalen Bildungsstudien geschlagen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es immer mehr ausländische Schüler nach downunder zieht.

Hier erfahren sie zwei Schulsysteme, die so ganz anders sind, als das, was sie bisher beispielsweise aus Deutschland kannten. Die Diskussion um Haupt-, Realschulen und Gymnasien sowie sämtlicher Facetten des Gesamtschulwesens sind den Australiern und Neuseeländern absolut fremd. Bildungspolitische Diskussionen kreisen hier vor allem über möglichen meist finanziellen Bevorzugungen einzelner Sektoren des Bildungssystems (öffentliches Schulwesen, die unabhängigen Privatschulen und die konfessionell gebundenen Privatschulen). Je nach politischer Couleur setzen die Parteien hierbei unterschiedliche Schwerpunkte.

Die Schulsysteme in Australien und Neuseeland spiegeln noch heute den Einfluss der britischen Kolonialmacht wider. Dies gilt ganz besonders für das in diesen Ländern traditionell starke Privatschulwesen. Ganz anders als in Deutschland spielen Privatschulen im Schulsystem der beiden Länder eine herausragende Rolle. Oft haben diese Schulen nur wenige Hundert Schüler, so dass eine optimale Betreuung gewährleistet ist. Neben motivierten Lehrkräften gehören auch Sozialarbeiter und Psychologen zum Team vieler Privatschulen, das nicht selten noch vorübergehend mit externen Künstlern, Musikern und Wissenschaftlern verstärkt wird.

Die Popularität der Privatschulen beruht vor allem auf kleinen Klassen, einem großen Fächerangebot, modernen Fremdsprachen (u.a. Italienisch, Indonesisch, Japanisch, Mandarin), speziellen Profilschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, neuester Computertechnologie, moderner Ausstattung der Lehrräume, großen Bibliotheken und einem großen Angebot an außerunterrichtlichen Aktivitäten.

Auffallend ist die hohe Anzahl von reinen Jungen- und Mädchenschulen, die oft einen Teil ihrer Schüler und Schülerinnen in schuleigenen Internaten unterbringen.

Einen großen Stellenwert unter den australischen und neuseeländischen Schulen nimmt das Thema Disziplin ein. Als sichtbarer Ausdruck gelten bereits die obligatorischen Schuluniformen, die die Träger und Trägerinnen auch außerhalb der Schule jederzeit als einen Schüler oder eine Schülerin einer bestimmten Schule identifizieren. Natürlich wird auch genau vorgeschrieben, wie man die Uniform zu tragen hat. Dieser sogenannte dresscode (u.a. Länge der Röcke, korrektes Binden einer Krawatte) wird genau wie alle anderen Schulregeln ständig kontrolliert und kann zu empfindlichen Strafen führen.

Längst keine Seltenheit mehr sind mittlerweile auch sogenannte „Laptopschools“. Vor allem die großen Privatschulen rüsten ihre Schüler und Schülerinnen mit den modernsten Technologien aus. Im „intranet“ der Schule finden Lehrer und Schüler die „daily notices“, den Stundenplan, die Noten und vieles mehr. Facharbeiten, Referate und Analysen schickt man der Lehrkraft per E-Mail.


Das Australische Schulsystem

Die Schulausbildung hat in ganz Australien eine ähnliche Struktur mit nur wenigen Abweichungen in den einzelnen Bundesstaaten und Territorien. Vor der Einschulung, die bereits mit fünf Jahren erfolgt, haben die meisten Kinder bereits ein Jahr im Kindergarten verbracht, der oft direkt an die Schule angeschlossen ist. Dem Arbeiten im Kindergarten liegt bereits ein Bildungsauftrag zu Grunde und ist am ehesten mit der deutschen Vorschule vergleichbar.

Nach der 6. Klasse wechseln die australischen Schüler und Schülerinnen aus dem Primarbereich auf die High Schools bzw. Secondary Schools. Diese kann man nach der 10. bzw. nach der 12. Klasse wieder verlassen. Mit dem bestandenem Higher School Certificate (HSC) beispielsweise in New South Wales (in anderen Bundesstaaten hat der Abschluss nach der 12. Klasse andere Bezeichnungen, z. B. Victorian Certificate of Education VCE, South Australian Certificate of Education oder Tasmanian Certificate of Education), hat man auch die Hochschulzugangsberechtigung in der Tasche.

Zur Zeit wird von der Regierung in Canberra der Versuch unternommen, ein so genanntes „Australian Certificate of Education“ einzuführen, dass dann für alle Bundesstaaten gelten würde. Man muss abwarten, ob die Erziehungsminister in den Bundesstaaten ihrer Kollegin in Canberra in dieser wichtigen Angelegenheit folgen werden. Bisher jedenfalls hat man sich diesbezüglich jedwede Einmischung aus Canberra verbeten.

Das australische Schuljahr beginnt Ende Januar/Anfang Februar nach den großen Sommerferien, ist in vier Terms gegliedert und endet kurz vor Weihnachten. Das deutsche „Sitzenbleiben“ bzw. das Wiederholen einer Klasse kennt man in Australien nicht. Zwischen den Terms gibt es im April, Juli und September meist zwei Wochen Ferien. Die Weihnachts- oder Sommerferien dauern 5 bis 6 Wochen.

Für europäische Gastschüler bedeutet dies, dass sich ein Beginn des Programms nach den großen Sommerferien (Ende Januar/Anfang Februar oder zum Beginn des 3. Terms im Juli anbietet.


Das neuseeländische Schulsystem

Ebenso wie für Australien gab es bei den letzten PISA- und TIMMS- Studien auch für Neuseeland nur die besten Noten.

Bis zur Beendigung der Secondary School müssen neuseeländische Schüler und Schülerinnen 13 Jahre die Schule besuchen. Dabei geht die Primary School von Klasse 1 bis 8 und die Secondary School von der 9. bis zur 13. Klasse. Da die Kinder bereits mit 5 Jahren eingeschult werden, können sich neuseeländische Schulabgänger bereits mit 18 Jahren an einer Hochschule einschreiben. Besonders leistungsstarken Schülern und Schülerinnen ist dies sogar noch früher möglich. Prinzipiell kann das „National Certificate in Educational Achievement“ (NCEA) in drei unterschiedlichen Stufen erworben werden. Am Ende der 11. Klasse steht das NCEA Level 1, das in etwa der deutschen Mittleren Reife entspricht. Das NCEA Level 2 nach der 12. Klasse kann man mit dem deutschen Fachabitur vergleichen, während das NCEA Level 3 am Ende des 13. Schuljahres zum Studium an allen Hochschulen berechtigt. Mittlerweile wird aber auch in Neuseeland das zweijährige International Baccalaureate (IB) Diploma Programme sehr stark nachgefragt, weshalb viele Schulen beide Abschlüsse anbieten.

Das neuseeländische Schuljahr beginnt Ende Januar nach den großen Sommerferien. Unterteilt ist das Schuljahr in vier Terms. Die zwischen den Terms liegenden Term Holiday im April, Juli und September dauern ca. zwei Wochen.

Bedingt durch den Beginn des Schuljahres im Januar und die Aufteilung in Terms empfiehlt sich für europäische Gastschüler ein Einstieg Ende Januar oder zu Beginn des 3. Terms im Juli.

Da zahlreiche Gastschüler nicht an den Examen am Ende eines Schuljahres teilnehmen, ist für sie oft bereits Mitte November die Schule zu Ende. Dies nutzen viele um sich das Land etwas genauer anzuschauen, bevor es dann vor Weihnachten wieder zurück nach Europa oder im neuen Jahr wieder an die Schule geht.